Häufig gestellte Fragen (FAQ) rund um IVF-Naturelle®
Diese Frage ist schwierig zu beantworten, zumal Zentren im In- und Ausland unterschiedlich arbeiten. Oft werden Parameter oder Erfolgszahlen von Paaren genannt, die ein Zentrum in einem besonders guten Licht erscheinen lassen. Dies erklärt auch die scheinbar höheren Schwangerschaftsraten im Ausland und einigen inländischen Zentren, da eine Embryoselektion mittels eines Präimplantations-Screenings zwar die Erfolgsrate im ersten Transferzyklus erhöhen kann, aber natürlich nicht die Fertilität der Frau bzw. die Gesamterfolgschance nach dem Transfer aller Embryonen. Mit anderen Worten: Alle kochen nur mit Wasser. Die Fertilität einer Frau kann durch kein Labor dieser Welt verbessert werden und jedes größere Kinderwunschzentrum mit einem grossen Labor weist eine gute Qualität auf.
Und jetzt konkret zur IVF-Naturelle®:
Die Erfolgsrate hängt insbesondere vom Alter der Frau, der Dauer der Sterilität und z.T. auch von der Sterilitätsursache ab.
In einem idealen Kollektiv von Frauen, die jünger als 34 Jahre alt sind und erst seit 1-2 Jahren versuchen, ein Kind zu bekommen, betrug in einer unserer Berner Studien die Schwangerschaftsrate pro erstem Transfer mit einem Embryo bei einer natürlichen IVF-Behandlung 37%.
Bei einer grossen Studie mit 8 deutschen und Schweizer IVF-Zentren ermittelten und publizierten wir die klinischen Schwangerschaftsraten verschiedener IVF-Protokolle nach der Auswertung mehrerer Tausend IVF-Zyklen (Magaton … von Wolff, J Assist Reprod Genet, 2025). Wurde ein frischer Embryotransfer durchgeführt, so lag die Schwangerschaftsrate bei IVF-Therapien im natürlichen Zyklus bei 25%, bei minimal stimulierten IVF-Protokollen bei bis zu 32% und bei der klassischen IVF bei 35%. Es ist aber in der Realität komplexer: Bei den Therapien variiert die Wahrscheinlichkeit, dass ein Transfer durchgeführt wird und der Aufwand und die Kosten variieren auch. Deswegen sollten Sie die Erfolgsraten der Therapien mit Ihrem Kinderwunschzentrum besprechen.
Wir haben in Bern eine wissenschaftliche Studie zusammen mit den Psychologen in Fribourg durchgeführt (Haemerli Keller … von Wolff, Acta Obstet Gynecol Scand, 2018), bei der die psychische Belastung von einem klassischen IVF-Therapiezyklus mit drei natürlichen IVF-Zyklen vergleichen wurde. Es wurden validierte Fragebögen eingesetzt, die von den Patienten:innen zuhause, also ohne den Einfluss von uns Kinderwunschärzten, ausgefüllt und von unabhängigen Psychologen ausgewertet wurden. Die Studie zeigte bei gleichen Schwangerschaftsraten in beiden Gruppen eine signifikant geringere Belastung durch die drei natürlichen IVF-Zyklen.
Bei der IVF-Therapie legen die Paare große Anteile des eigentlich sehr intimen und persönlichen Fortpflanzungsprozesses in die Hände der Reproduktionsmediziner. Dieser stimuliert mit seinem Team nicht nur künstlich die Follikelbildung, führt künstlich den Eisprung durch, befruchtet die Eizelle im Labor und verabreicht Hormone während der Phase der Einnistung, sondern wählt auch noch im Labor aus, welcher Embryo transferiert werden soll und friert auch noch überzählige Embryonen ein, die ggf. später entsorgt werden müssen.
Es ist somit mehr als nachvollziehbar, dass das Paar wünscht, möglichst viele dieser künstlichen Prozesse zu vermeiden und so viel wie möglich der Natur und dem Körper der Frau zu überlassen. Von all den oben genannten Punkten entfallen bei der natürlichen IVF die Stimulation der Follikelbildung, die Hormongaben während der Einnistung , die Selektion der Embryonen und das Einfrieren und damit ggf. die Entsorgung überzähliger Embryonen. Somit werden bei der natürlichen IVF, aber auch bei der minimal stimulierten IVF möglichst viele Anteile der Reproduktion dem Paar überlassen, ohne dass die Erfolgschance gesamthaft reduziert ist.
In unseren IVF-Naturelle®-Zentren wird auch der Entscheidungsprozess für die IVF komplett auf den Kopf gestellt. Normalerweise entscheidet der Reproduktionsmediziner, ob eine IVF-Therapie erforderlich ist und legt die Art der IVF-Therapie fest. In unseren Zenten wird hingegen die Wahl der IVF-Therapie primär an den Wünschen des Paare ausgerichtet. Bei uns gilt der Grundsatz, der in allen anderen Bereichen der Medizin auch gilt und aus unserer Sicht auch bei der IVF-Therapie gelten sollte: Bei gleicher Effektivität verschiedener Therapien sollte zuerst die einfachste und natürlichste Behandlung durchgeführt werden. Diese Vorgehensweise wird detailliert und graphisch im Menüpunkt „IVF-Naturelle® – so funktioniert es“ dargestellt.
In spezialisierten IVF-Naturelle®-Zentren ist ein Transfer je nach Therapieprotokoll in durchschnittlich 50% bis 80% der Zyklen möglich (Magaton .. von Wolff, J Assist Reprod Genet, 2025). Die Transferwahrscheinlichkeit ist einer der wesentlichen Faktoren, die sich bei spezialisierten und nicht-spezialisierten Zentren unterscheiden.
Ca. 10% der Frauen haben einen vorzeitigen Eisprung, in ca. 10% der Eizellentnahmen kann die Eizelle nicht gewonnen werden, ca. 10% der Eizellen sind nicht reif und ca. 10% der Eizellen lassen sich nicht befruchten und manche Embryonen entwickeln sich nicht korrekt. In der Summe sind dies bei der IVF im natürlichen Zyklus ca. 50%. Diese Zahlen mögen manchen Patientinnen hoch erscheinen, stellen aber weltweit mit die besten Erfolgsraten dar. Bei einer minimal stimulierten IVF sind diese "Verluste" etwas und bei einer klassischen IVF-Therapie deutlich höher, nur fallen sie durch die Vielzahl an Eizellen nicht so stark ins Gewicht. Auch eine klassische IVF-Therapie führt nicht immer zu einem Transfer.
In der Schweiz ist das Präimplantations-Screening (PIS) inzwischen weitgehend erlaubt.
Durch ein PIS steigt die Erfolgsrate einer IVF pro durchgeführtem Therapiezyklus nicht, an, sondern sinkt durch die Manipulation der Embryonen wahrscheinlich sogar ab. Lediglich die Schwangerschaftsrate des ersten Transfers steigt an, da die Embryonen mit dem höchsten Schwangerschaftspotential ausgewählt werden können. Dadurch gibt es jedoch pro Stimulation und Follikelpunktion weniger Embryotransfers. Ein PIS ist teuer und erfordert eine Hormonstimulation, um möglichst viele Eizellen gewinnen zu können.
Bei einem PIS kann die Frau ggf. etwas schneller, aber nicht besser schwanger werden. Es gibt nur sehr wenige Indikationen, bei denen das PIS Sinn macht: Dazu gehören Frauen im Alter von ca. 40 Jahren mit einer hohen Ovarreserve. Da in diesem Alter die Zeit drängt, ist es sinnvoll, eine Selektion durchzuführen und möglichst nur die allerbesten Embryonen zu transferieren, um dann möglichst schnell, falls erforderlich, mit der nächsten Stimulation zu beginnen.
Bei der IVF-Naturelle® wird angestrebt, möglichst wenig Manipulationen und keine Selektion durch das Labor vorzunehmen. Bei der IVF-Naturelle® macht das PIS natürlich keinen Sinn, da in der Regel nur ein Embryo vorliegt.
Deswegen ist das PIS keine Konkurrenz für die IVF-Naturelle®. Das PIS kann die Schwangerschaftschancen in der Regel nicht erhöhen und die IVF-Naturelle® ist und bleibt die Technik mit der geringeren Belastung für die Patientinnen.
Die Kosten variieren von Zentrum zu Zentrum. Sie finden die Kosten auf den Websites der Zentren oder können diese dort erfragen.
Grundsätzlich sind die Kosten pro Therapiezyklus durch die Vermeidung der teuren Gonadotropine, durch weniger Kontrolle und durch die Eizellentnahmen ohne Narkose deutlich niedriger. Die Kosten hängen aber auch der Ovarreserve ab, so dass die Generierung einer Schwangerschaft bei der IVF-Naturelle® günstiger sein kann, aber auch bei der klassischen IVF. Ihr Kinderwunschzentrum wird Ihnen dies, bezogen auf Ihre individuelle Situation, erläutern können.
Bestehen weitere Fragen, können Sie gerne mit Ihrem individuellen Anliegen auf unsere Netzwerk-Mitglieder zukommen und sich beraten lassen.
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